Nur winzige Röhren Der Fachbereich Bauchemie forscht mit Nanotubes, Beton kennt jeder. Zement, Gesteinskörnungen, Wasser - und die Brücke kann gebaut werden. Aber dieses scheinbar banale Produkt ist auch Gegenstand der Forschung, die dabei in die Eingeweide seiner Zusammensetzung bis in den Nanobereich eingreift. "Es besteht Potenzial für die Entwicklung einer Torsten Kowald untersucht etwa mit dem Rasterkraftmikroskop, ob die Nanoröhren gleichmäßig im Beton verteilt und in diesem fest verankert sind. Erst dann können sie ihre Wirkung richtig entfalten. Die neuen High-Tech-Baustoffe durch den Einsatz der Nanoröhren noch dauerhafter und effizienter zu gestalten, ist die Aufgabe seiner Promotion. "Mich fasziniert das Material, weil seine mechanischen Eigenschaften einzigartig sind." Die Zugfestigkeit sei enorm und das Material habe, verglichen mit Stahl, ein geringeres Gewicht. Es können etwa Pfeiler konstruiert werden, die um ein Vielfaches schmaler sind. Der 33-Jährige forscht im dritten Jahr und wird die Promotion bald abschließen. Wohin es ihn ziehen wird, weiß er noch nicht. An der Universität würde ihn das Zusammenspiel von Forschung und Lehre interessieren. Aber auch die Industrie habe ihren Reiz, weil sie noch praxisnäher arbeite. "Mich fasziniert das Material, weil seine mechanischen Zurück aus dem Labor im Erdgeschoss erklärt Professor Reinhard Trettin in seinem Büro im vierten Stock die Bedeutung der Bauchemie: "Sie nimmt eine Schlüsselrolle ein, was die Entwicklung neuer und die Optimierung gängiger Produkte angeht." So geht die Entwicklung von hochfestem über ultrahochfestem Beton bis zu solchem, der mit den Nanotubes verbessert werden soll. Deswegen sei die Industrie auch immer daran interessiert, was an der Universität passiert. Es gibt eine sehr enge Zusammenarbeit. Einiges kann Trettin dann auch nicht im Detail erklären, immerhin hängen daran Forschungserkenntnisse, die für Industriepartner gewonnen wurden. "Wir haben hier einen Großteil Industrieforschung. Aber reich werden wir damit nicht." Weil die Universität nur ein begrenztes Budget für die Forschung habe, können mit dem Geld aus der Industrie weitere Mitarbeiter finanziert und experimentelle Einrichtungen, von denen die Studenten in der Ausbildung profitieren, erhalten werden. Gerade die Forschung mit den Nanotubes war anfangs schwierig, weil der Stoff so teuer wie Gold war. Jetzt stellt auch ein deutsches Chemieunternehmen den Kohlenstoff her und durch die Zusammenarbeit kann die Forschung auf hoher Qualität fortgesetzt werden. Auch wenn es bis zur Produktreife des neuen Betons noch einige Jahre benötigt, gab es schon erste Versuche mit größeren Objekten. Bei der Betonkanu-Regatta in Hannover nahm die Universität Siegen mit einem Boot teil, in dem die Nanotechnologie eingesetzt wurde. Auch wenn der Wettbewerb sportlich kein Erfolg war - das Boot hielt und zeigte gute Materialeigenschaften. Der Beton mit den Nanotubes wird auch in Zukunft nicht überall den herkömmlichen Massenbaustoff ersetzen, aber er wird Neues ermöglichen.
HINTERGRUND Die Geschichte des Betons An 10 000 Jahre alten Bauwerksresten
in der Türkei konnte
bereits Kalkmörtel als Bindemittel
nachgewiesen werden.
Die Römer entwickelten das
opus caementitium, aus dessen
Namen das Wort Zement
abgeleitet ist. Dieser Baustoff
bestand aus gebranntem Kalk,
Wasser und Sand, dem mortar
(Mörtel), gemischt mit Bruchsteinen,
und zeichnete sich
durch eine hohe Druckfestigkeit
aus. Damit wurde unter
anderem die Kuppel des Pantheons
in Rom hergestellt.
Die Entwicklung des Betons
in der Neuzeit begann 1755 mit
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Unscheinbar, aber kraftvoll: Dieses schwarze Pulver sind
Artikel als PDF-Datei © Westfalenpost, 13. Oktober 2007 Die Serie „Forschen in Siegen“ wurde in den Dokumentationsband „Ausgezeichnet - Deutscher Lokaljournalistenpreis 2007“ aufgenommen.
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