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Tim Meyer

Kurzgeschichte

Die alte Stimme

Von Tim Meyer  Peiner Allgemeine Zeitung (jups) 

Ich sitze auf einem bequemen Stuhl, mit guter Polsterung.

Ich spüre meinen Körper immer deutlicher. Früher war er mir gar nicht so bewusst. Wenn ich heute einen Arm hebe, merke ich, wie sich die Muskeln vom Schulterblatt bis in die Lendengegend zusammenziehen.

Doch es hindert mich nicht.

Ich sitze einfach in meinem Stuhl und habe meine Gitarre auf dem Schoß. Meine Lieblingsgitarre. Sie ist nun schon 60 Jahre alt. Das Holz ist ganz dunkel geworden. Wie ich.

Gut, dass meine Finger nicht ihre Beweglichkeit verloren haben. Sie gehen am Griffbrett rauf und runter und ich spüre sie nicht. Als ob es ein von meinem Körper abgetrennter Teil wäre.

Ich spiele also und fange nach kurzer Zeit an, zu singen.

Die Stimme. Sie fühlt sich an, als würden die Stimmbänder in einem riesigen, leeren Getreidesilo schwingen. Der Klangraum in meinem Körper ist mit den Jahren größer geworden. Ich genieße es, die Stimme im Körper zu spüren.

So sitze ich die meiste Zeit des Tages auf meinem Stuhl, lausche nach innen und alles ist wieder da.