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Tim Meyer

Kurzgeschichte

Erinnerungsmünzen

Von Tim Meyer 

Unter dem Carport meiner Eltern liegen verstreute Münzen. Bei einer der unzähligen Gartenverschönerungsarbeiten hatten die beiden sie gefunden. Aber es sieht nicht so aus, als ob es eine wertvolle Erinnerung wäre. Die Münzen liegen einfach so zwischen Erde und Schutt. Aber es ist ja auch nicht ihre Erinnerung, sondern meine. Die Oberflächen sind stark korrodiert, aber ich kann trotzdem erkennen, was es für Münzen sind. Von 10- bis 1-Pfennigstücken ist alles dabei. Viele sind zu mehreren zusammengerostet. Wahrscheinlich hatte ich sie in irgendetwas eingepackt, was mit der Zeit wegfaulte und die Münzen dann der Feuchtigkeit aussetzte.

Ich nehme eine Münze in die Hand und versuche mich zu erinnern: Es war eine meiner liebsten Beschäftigungen, irgendwelches Zeug (gerne Münzen, weil die meiner Vorstellung eines Schatzes am nächsten kamen) in Kästchen oder Gefrierbeutel einzupacken und diese dann zu vergraben oder unter lose Pflastersteine zu verstecken. Mein Lieblingsversteck war unter einem Stein auf dem Hof. Diverse Objekte – Spielzeugfiguren, Münzen oder auch Murmeln – mussten mindestens eine Nacht unter diesem Stein verbringen. Dann konnte ich mich meistens nicht mehr zurückhalten und hab’ den Schatz wieder gehoben. Den Aufwand mit Schatzkarten, wie es andere Kinder betrieben, habe ich mir nie gemacht. Ich wusste ja, wo die Sachen liegen. Ich erinnere mich noch an eine Stelle, wo auf jeden Fall noch ein Schatz liegt. Aber da werde ich niemals suchen, denn an dem gleichen Platz wurde auch unser geliebter Kater Mäuschen begraben. Und ihn möchte ich wirklich nicht wiederfinden.

Ich drehe die Münze in meiner Hand noch ein paarmal herum und lege sie auf den Boden. Dann fege ich alles zusammen und schmeiße sie weg.