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Tim Meyer

Kurzgeschichte

Nacktschnecken

Von Tim Meyer  Peiner Allgemeine Zeitung (jups) 

Ich wache auf und fühle mich wie eine Nacktschnecke. Ich liege auf dem Rücken und schaffe es nicht, mich umzudrehen.

Aber ich bin keine Schnecke! Warum fühle ich dann überall diesen Schleim?

An meinem Oberschenkel juckt es. Es dauert einige Sekunden, bis ich es schaffe, meinen Arm zu bewegen. Eine Schnecke hat doch keine Arme! Nein, ich bin ein Mensch, also habe ich Arme. Ich habe einen riesigen Mückenstich. Der Sommer ist doch vorbei, warum kommen die Restmücken gerade zu mir? Sie werden von dem feuchten Klima meiner Wohnung angezogen. Wenn ich die Augen schließe, sehe ich Moos an meinen Wänden und kleine dünne Gräserärmchen gucken in mein Bett und kitzeln mich. Beste Nährsuppe für diese Viecher.

Draußen bellt ein Hund. Ich habe Angst. Eine Freundin hat mir einmal erzählt, bei morgendlichen Spaziergängen, wenn der Frühnebel tief hängt, ist ihr Hund auf Wiesen herumgelaufen und hat die Schnecken gefressen. Ich zucke zusammen. Nein, nein, nein. Jetzt schau doch mal an dir herunter und überzeuge dich von deinem menschlichen Aggregatzustand, sage ich mir. Als ich dann versuche, meinen Kopf zu heben, will es einfach nicht funktionieren. Was habe ich gestern getan? Kann ich davon einen steifen Nacken haben? Nein, ich habe gar nichts getan. Wie immer. Ich habe mich wie immer hier heraufgeschleppt und saß auf meinem Stuhl. Wie immer. Und dann ging ich irgendwann ins Bett. Wie? Keine Ahnung. Aber sicherlich wie immer. Habe ich geschlafen?

Jetzt liege ich hier und nichts ist wie immer. Alle Glieder hat man mir abgeschlagen und mich mit Patex übergossen. Ich könnte versuchen mich aus dem Bett herauszurollen, aber dann falle ich in die Gräser neben meinem Bett. Und vielleicht ist da Wasser und ich ertrinke. Es scheint keine andere Möglichkeit zu geben, als einfach abzuwarten. Ich schließe die Augen und warte.

Eine große Hand sammelt mich ab und wirft mich in einen Eimer voller Schnecken.